Top-Positionen immer noch selten mit Frauen besetzt
EWMD legt internationale Untersuchung vor – Studie: gemischte Teams ertragsstärker
Von Dr. Karin Uphoff
„Die Top-200-Unternehmen im deutschsprachigen Raum verzichten auf weibliche Kompetenz und damit auf Ertrag.“ Dieses Fazit zieht das Internationale ManagerInnen-Netzwerk EWMD nach seiner aktuellen Untersuchung, wonach Frauen in den Führungsetagen der umsatzstärksten Unternehmen immer noch stark unterrepräsentiert sind. „Es gibt so viele Studien, die belegen, dass “Mixed Leadership“-Firmen unternehmerisch deutlich erfolgreicher arbeiten. Aber an der Spitze bewegt sich nichts!“, so EWMD-Initiatorin Gabriele Hantschel, Services Managerin IBM Deutschland GmbH und Vorstandsvorsitzende der Helga Stödter-Stiftung.
Ganz gleich, ob Aufsichtsrat oder Vorstand: Seit Jahrzehnten sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Lediglich 1,3 Prozent aller Vorstandsmitglieder der deutschen Top 100 sind derzeit weiblich, auch in den Aufsichtsräten dominieren die Männer. „Der Frauen-Anteil liegt mit 9,6 Prozent zwar höher, aber davon sind circa 60 Prozent Arbeitnehmervertreterinnen“, stellt Carola Eck-Philipp vom Vorstand des EWMD Deutschland ernüchtert fest.
In Österreich und der Schweiz sieht es kaum besser aus. Österreichische Unternehmen vertrauten die betrieblichen Geschicke der Top-50-Unternehmen lediglich zu 2,2 Prozent weiblichen Vorständen an, in den Aufsichtsräten sitzen 8,4 Prozent Frauen. Nachbar Schweiz hat in seinen umsatzstärksten Unternehmen immerhin 3,7 Prozent Frauen im Vorstand, dafür prägen nur 7,3 Prozent die Arbeit der Aufsichtsräte. Dabei geht es auch anders; in Norwegen waren im Jahr 2007 beispielsweise 34 Prozent, in Schweden 24 Prozent weiblich und dies in den höchsten Entscheidungsgremien (Vorstände und Aufsichtsräte).
Enormes Potenzial vergeudet
Dabei gibt es für die Unternehmen gute Gründe, auf die Kompetenzen beider Geschlechter zu setzen: Dazu zählt neben dem Fachkräftemangel, der bereits jetzt jährlich die Bruttowertschöpfung in Deutschland um Milliarden vermindert, auch das unternehmerische Eigeninteresse, ein möglichst gutes Betriebsergebnis zu erzielen. Das wird signifikant besser, wenn mindestens drei Frauen die Unternehmenskultur des Vorstands beeinflussen. Darin stimmen die Untersuchungen der Unternehmensberatung McKinsey und der internationalen Nichtregierungsorganisation Catalyst überein: Gemischte Führungsmannschaften sind wesentlich erfolgreicher. Die Firmen mit den meisten Frauen im Vorstand erzielten im Vergleich zu solchen ohne weibliche Manager eine bis zu 48 Prozent höhere Umsatzrendite; Aktienkurse und Gewinn fallen erheblich höher aus. Die Cranfield University und die Weltbank wiesen ebenfalls auf die Vorteile der sich ergänzenden Führungsstile hin und an der renommierten London School of Economics kamen Forscher zu der Erkenntnis, dass auch die Innovationskraft in gemischten Teams mit einer ungefähren Gleichverteilung der Geschlechter am höchsten ist.
„Es wird Zeit, mehr Frauen in verantwortliche Positionen aufsteigen zu lassen, um die Potenziale der Unternehmen voll auszuschöpfen“, fordert deswegen auch Nicole Meissner, Präsidentin EWMD International und Global Head Legal Technical Operations von Sandoz International GmbH. An Frauen mangelt es nicht: Die Zahl qualifizierter Bewerberinnen steigt seit Jahren an. Meissner: „Die Vernachlässigung der Potenziale und Talente hoch qualifizierter Frauen ist eine Verschwendung von Bildungskapital, die sich Deutschland nicht mehr länger leisten kann.“
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Über das ManagerInnen-Netzwerk EWMD:
EWMD (European Women's Management Development International Network)
EWMD ist ein internationales Management-Netzwerk für ManagerInnen, UnternehmerInnen und Selbstständige mit ca. 800 Mitgliedern in 25 Ländern. Das Netzwerk bietet eine Plattform für den qualifizierten Austausch von Erfahrungen und Entwicklungen im Management. Mitglieder setzen sich für eine bessere Gender Diversity, mehr Frauen in Führungspositionen und eine nachhaltige Work Life Balance ein - branchenübergreifend und international. Neben Privatpersonen sind auch Unternehmen Mitglieder. Basis des persönlichen Netzwerkens sind Themenabende, Netzwerk Lounges und der gemeinsame Besuch kultureller Veranstaltungen.
Vorstandssprecherin Deutschland: Sibylle Gruner
http://www.ewmd.org
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Über „Women on Board“:
WomenONBoard ist ein Projekt des internationalen Managementnetzwerkes EWMD. Auslöser dieses Projektes sind die positiven Erfahrungen aus Norwegen, Schweden und England mit Women-on-Board-Gesetzesinitiativen und -Projekten. Ziel ist es, im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) eine Initiative aufzusetzen, um den Anteil an Frauen in Top-Positionen (Vorstand, Aufsichtsrat) zu erhöhen. Dabei sollen Unternehmen mit Nachdruck auf das Mixed Leadership Potenzial und dessen positiven Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg aufmerksam gemacht werden. Ergebnis des ersten Arbeitspaketes ist die Veröffentlichung der aktuellen Zahlen im Top-Management der 200 umsatzstärksten Unternehmen im Untersuchungsgebiet.
Initiatorin des Projektes ist EWMD-Mitglied Gabriele Hantschel, Services Managerin IBM Deutschland GmbH und Vorstandsvorsitzende der Helga Stödter-Stiftung.